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Der Prozeß der Versteppung
bedarf keiner Eingriffe: Die Gräser wachsen und werden
durch die Beweidung kurz gehalten. Baum- und Strauchsprößlinge
werden abgefressen und so der Steppencharakter gewahrt.
Das Weidevieh
könnte aus angemessenen Herden von Wisent, Wildpferd und
Wildschaf bestehen, die durch wenige Personen betreut werden.
Langfristig paßt sich die Größe der Herden unter
nachhaltiger Aufsicht an die vorhandene Fläche an.
Die Herdentiere sind geschützt und benötigen kaum Aufsicht.
Diese kontrollierte Weidewirtschaft kann einen großen Teil der
Unterhaltskosten gegenfinanzieren.
Die Kleintiere und Vögel
bekommen in den vorgeschlagenen Nisttürmen die Nischen, welche ihnen
durch die Stadtversiegelung genommen sind.
Dies ist im wesentlichen eine Kombination von Rückzugs- und
Nistmöglichkeiten für den Sommer und tiefergelegenen,
frostsicheren Winterquartieren. Raubvögel wie Bussarde und Falken,
Igel, Marder, Füchse, insbesondere aber auch die bedrohten Bestände
der Fledermäuse finden hier ohne großen Aufwand Schutz.
Das Totalreservat
wird nur von den wenigen Hütern betreten. Dadurch können
sich hier neben den Herden auch gefährdete Kleintierarten
ohne Störungen und Gefährdungen ansiedeln.
Trotzdem kann die gesamte Steppe jederzeit von allen
Seiten vollständig eingesehen werden. Die Tiere sind Tag und Nacht
sowie im Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten.
Die Tradition des Flugfeldes
bleibt dadurch gegenwärtig, daß die alten Einrichtungen
der Flugsicherung auf dem Gelände sichtbar verbleiben.
Selbst die jetzige Flugfeldbeleuchtung könnte für die abendliche
Dämmerungsstunde in symbolischem Ausmaße weiterbetrieben werden.
Die Investitionen
beschränken sich auf den Ausbau des Rundweges,
die Schutzzäune und einige Stallungen.
Der Asphalt der Flugbahnen kann unverändert belassen werden.
Ohne Verkehr werden sich darauf bald Moosdecken bilden. Die unversiegelte
Fläche ist groß genug, um umfangreiche Herden zu ernähren.
Die Einsparungen
Alle Pläne zur Bebauung oder Teilbebauung des Areals setzen demgegenüber
eine Räumung und Erschließung mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich
voraus. Keiner der sagenumwobenen Investoren wird ohne diese
öffentlichen Zuleistungen einen Vertrag abschließen.
Jeder Privatier investiert selbstverständlich in den privaten
Gewinn. Die Öffentlichkeit wird bei diesen kurzfristigen
Veräußerungen immer der langfristige Verlierer sein.
In jedem Fall würde städtischer Boden, der den Bürgern
langfristig hohen Nutzen bringen würde, kurzfristig weit unter
Wert verkauft bzw. verschenkt.
Die Wohnumfeldverschlechterung der anliegenden Wohngebiete
(dauerhaft Durchgangsverkehr, jahrelange Bautätigkeit) ist dabei noch nicht berücksichtigt.
Der Wert für die Anlieger
beschränkt sich nicht auf das Ende des Fluglärms. Es bleibt ihnen
nicht nur eine vieljährige Belästigung durch Erd- und Bauarbeiten,
der Lärm schwerster Technik und der Materialtransport durch die
Wohnviertel erspart.
Vielmehr wandelt sich der Fluch des Flughafens in einen Segen für die
mit Problemen belasteten umliegenden Wohngebiete. Sie werden durch diese
riesige Naturfläche spürbar aufgewertet. Die Wohnqualität
steigt langfristig, da statt einer Verkehrssteigerung nun ein ruhiges
Erholungsgebiet vor der Tür liegt.
Schon jetzt erfreut sich der Spaziergang am Zaun der Oderstraße
großer Beliebtheit. Der zu schaffende Rundweg wäre eine
ideale Radtour für die Familie und ein 'Kleinmarathon' für
die Sportler.
Biergärten und Bistros an den Eckpunkten des Feldes wären
mit Anwohnern und Berlintouristen überfüllt, die den einmaligen
Blick bis zum Horizont, Sonnenuntergänge wie am Meer und die
Tierbeobachtung in der Dämmerung über dem Flugfeld
in Ruhe genießen könnten.
Fazit
Die hier vorgeschlagene beweidete Steppe auf dem Flugfeld wäre
innerhalb weniger Monate realisierbar. Sie wäre kurz- und langfristig
konkurrenzlos billig, für alle Anwohner attraktiv und in dieser
Form für eine Millionenstadt weltweit einmalig.
Alle Alternativen sind mit Abstand teurer, bedeuten jahrelange Bauarbeiten und
eine rapide Steigerung der Verkehrsdichte im Umfeld.
Überteuerte Neubauwohnungen und subventionierter Gewerberaumleerstand
hat Berlin bereits im Überfluß.
Eine Verschlechterung der Wohnqualität für die Anwohner in
Tempelhof und Neukölln und eine Abwertung der bestehenden Wohnquartiere
ist das letzte, was sich die Bürger in diesen Bezirken
wünschen können.
Wünschenswert wäre die sonntägliche Promenade von tausenden
Bürgern um eine geheimniswahrende Steppe mit (fast) mongolischer Weitläufigkeit,
der staunende Blick der Stadtkinder auf die riesigen Wisente, der
ungestörte Galopp der Wildpferde und das stille Staunen der
Berlingäste vor der würdevollen Authentizität des
historischen Ortes, über dessen einstige Aufgeregtheit
Gras wächst, hohes, wildes Steppengras, über das die Windböen fegen.
Da nun endlich das Ende des Flugbetriebs auf Oktober 2008
festgelegt wurde, kann die Diskussion über die
Nachnutzungskonzepte und deren Nutznießer konkret
geführt werden.
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